Eine Geschichte eines jungen Mannes, der vor der Entscheidung steht, die Unternehmenskultur zu verändern oder durch eine Kündigung diese zu verlassen.

Junger Mitarbeiter berichtet über seine Erfahrung von einer Kulturveränderungen in einem Unternehmen mit alten Strukturen

Alte Jung

Am Freitagabend klingelte bei mir das Telefon und es war ein ehemaliger Praktikant dran. Nach einer kurzen Begrüßung sagte mir der Praktikant, dass er seinem jetzigen Arbeitgeber gerne verlassen möchte, aber vorher würde er gerne meine Einschätzung zu einer Kündigung hören.
Ich hörte und spürte bei ihm die Enttäuschung und auch seine Wut.

Ich fragte sofort nach den Gründen, warum er den das Unternehmen nach ca. 1,5 Jahren jetzt verlassen möchte? Ich sagte ihm auch: „In den letzten Gesprächen hast Du mir doch immer signalisiert, dass alles in Ordnung ist und jetzt diese Aussage?“

Beschreibung der Umgebung

Ja, antwortete er, es ist nur so:
„Ich bin neu in dem Unternehmen gekommen und arbeite mit einem Kollegen zusammen, der seit über 14 Jahren in diesem Unternehmen ist. Unser gemeinsamer Vorgesetzter ist in der Geschäftsführung und ist der Top-Entscheider im Unternehmen. Das Unternehmen gibt es jetzt seit über 50 Jahren und die Strukturen sowie die Arbeitsweisen sind seit Jahren in festen Bahnen und Hierarchien aufgebaut worden. Die letzte große strukturelle Veränderung ist vor ca. 10 Jahren entstanden, wo das Unternehmen die Einführung von SAP in den Bereichen Auftragsabwicklung und Logistik in den Angriff genommen hat. Nach meiner Einschätzung ist dieses Projekt noch nicht abgeschlossen.“

Ich sagte: „Ja das war dir doch bekannt, wo Du die Stelle angetreten hast. Wir haben uns in den letzten Monaten doch ausführlich darüber unterhalten. Du hast auch einige Tipps von mir bekommen, damit Du dich in der Situation zurechtfinden kannst.“

Tipps waren Goldwert.

Er sagte: „Das stimmt die Tipps waren alle Gold wert. Bei meiner Einstellung hat mich mein Chef auch auf die angestaubte Umgebung hingewiesen. Er sagte mir, dass das Unternehmen und er, eine Veränderung im Vertrieb möchten. Ich als junger Mensch sollte neue Strukturen erarbeiten und diese umsetzen. Der Sales Bereich sollte digitaler werden, damit die Kosten der Verwaltung gesenkt und auch neue Märkte angegangen werden.“

Ich sagte zu ihm: „Ja das hört sich doch gut an.“

Mein Ex Praktikant sagte dann:
„Die Situation für mich ist so,
meine Vorschläge und Konzepte, die ich in den letzten Monaten erarbeitet habe, sind auch in der Vergangenheit von meinem Vorgesetzten begrüßt worden. Er hat mir auch die Anweisung gegeben, die Umsetzung mit den Abteilungen zu besprechen und ein Umsetzungsplan zu erstellen. Darauf kamen von einigen Abteilungen massive Widerstände auf, da sie festgestellt haben, dass die Abläufe in der Unternehmenskultur in ihrem Bereich eine Veränderung bewirkten. Die meisten Abteilungsleiter waren empört, dass ich Dinge in Ihrem Bereich ändern sollte. Dieser Widerstand wurde dann direkt in das Büro von meinem Vorgesetzten gebracht. Jetzt bekam mein Vorgesetzter die volle Breite der Abteilungsleiter ab. Ich dachte am Anfang, wo die Beschwerden kamen, dass mein Vorgesetzter die Wogen glätten kann und die Abteilungsleiter anweist mit mir zu arbeiten. Aber in einem Gespräch mit ihm sagte er nur beiläufig, ich habe das alles unterschätzt und es bereitet mir jetzt viel Ärger. Jetzt spüre ich immer mehr, dass eine Ausgrenzung von meiner Person passiert. Das macht sich für mich so bemerkbar:

Ich habe bis heute noch keine Anweisung von meinem Vorgesetzten erhalten, die anstehenden Dinge umzusetzen. Bei dem direkten Nachfragen bekomme ich nur Ausreden und Vertröstungen, aber das Schlimmste ist, dass ich zu Meeting und Besprechungen nicht mehr eingeladen werde und auf einigen E-Mail-Verteiler bin ich sogar entfernt worden.“

Die Unternehmenskultur

Ich spürte die Ratlosigkeit bei dem jungen Mann und gab ihm dann folgende Erklärung:
„Bitte sei nicht verbittert, so wie Du die Sache schilderst, liegt es nicht an Dir. Es ist so, das Unternehmen ist seit Jahrzehnten am Markt erfolgreich tätig und dadurch hat sich eine große Balance in der Unternehmenskultur entwickelt. Die Balance ist für die Ordnung und Struktur des Unternehmens zuständig. Hier werden Regelwerke und Prozesse definiert. Erkennen kannst Du diese an der Aussage: ‚Das machen wir immer schon so oder für das, was Du vorhast, haben wir schon mal probiert es funktioniert nicht bei uns usw.‘

Dazu hat sich in dem Unternehmen ein weiter großer Bereich aufgetan, das ist die Dominanz. Diese ist für die Durchsetzung und den Erfolg im Unternehmen zuständig. Im Inneren des Unternehmens kannst Du sie erkennen durch die Hierarchien und die Machtverhältnisse. Eine Abteilung ist für ein Bereich zuständig und die Abteilungsleiter halten ihren Bereich mit aller Macht sauber. Daher die Machtkämpfe, die innerhalb des Unternehmens entstehen. Du wirst solche Aussagen hören wie: ‚Wenn hier etwas geändert werden soll, dann entscheide ich dieses als Abteilungsleiter. Andere Bereiche sollen zusehen, wie Sie fertig werden, wir sind bei uns clean‘ usw.

Unternehmenskultur ist verkümmert

Ich fügte hinzu: „Du bist für die Inspiration eingestellt worden, dieses ist der dritte Part in einer Unternehmenskultur, die leider bei Euch über die Zeit verkümmert ist. Die Inspiration steht für Ideen, Innovationen und Offenheit. Die Inspiration kannst Du daran erleben, wenn immer wieder neue Ideen in dem Unternehmen entstehen und diese dann umgesetzt werden. Hier gibt es häufig solche Aussagen wie: ‚Geht nicht, gibt es bei uns nicht oder wenn du eine Idee hast, dann probiere diese aus und berichte uns allen über das Ergebnis Erstrecht, wenn es nicht funktioniert hat.‘
Das, was Du mir geschildert hast, zeigt das es ein kulturelles Problem bei euch gibt. Die Zusammensetzung der drei Bereiche hat sich in ein Ungleichgewicht verschoben und die Inspiration ist abhandengekommen. Dieses Problem kannst Du bei vielen Unternehmen feststellen, die schon lange am Markt tätig sind. Die Unternehmenskultur wird von Menschen gemacht und gelebt. Es ist ein Umfeld, was eine sehr große Prägung auf uns Menschen hat. Wir Menschen verbringen in der Regel sehr viel Zeit in unserem Arbeitsumfeld. Dazu gleich mehr.“

Veränderungen betrachten

„Erstmal solltest Du folgendes bei einer Veränderung wissen und betrachten:
Erstens Veränderungen verursachen Schmerzen!
Veränderungen brauchen ein Ergebnis, welches im Vorfeld definiert werden muss.
Veränderungen brauchen die Dominanz, damit eine Durchsetzung stattfinden kann.
Für eine Veränderung müssen die Stimulanz und die Dominanz eine Synergie eingehen.

Wie ich das sehe und aus deinen Schilderungen entnehmen konnte, ist es so:
Dein Vorgesetzter hat erkannt, dass sein Unternehmen neue Mitarbeiter braucht die neuen Ideen und eine Inspiration mitbringen. Dafür hat er dich auch eingestellt. Er hat auch das Ergebnis vorher definiert, das er Veränderungen in den Prozessen und Strukturen haben möchte, was sehr wichtig ist. Weil wenn das Ergebnis vorher nicht definiert ist und dieses nicht offen kommuniziert wird, kann keine Orientierung stattfinden. Wenn Du eine Reise planst, dann legst du vorher ein Ergebnis fest und fängst an, auf das Ergebnis zu zuarbeiten. Das dein Vorgesetzter sich jetzt so verhält, hat Gründe, die nichts mit deiner Person, noch der von Dir erbrachten Leistungen zu tun haben. Wie ich das beurteilen kann, versucht dein Vorgesetzter den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.“

Abwägung der Möglichkeiten

Was kannst Du tun?
Du solltest noch einmal das Gespräch mit deinem Vorgesetzten suchen und ihn bitten, Dich zu unterstützen. Spreche von der Synergie der Stimulanz und der Dominanz in der Unternehmenskultur Definition und erkläre ihm, dass Du die Ideen und die Inspiration geliefert hast, jetzt brauchst Du für die Umsetzung der Veränderung seine Stellung im Unternehmen und deren Macht.
Wenn es dann nicht zu einer Unterstützung kommt, dann gehe bitte aus diesem Umfeld heraus. Du bist nicht verantwortlich für die Unternehmenskultur. Wer Mitarbeiter ausgrenzt, der begeht emotionale Gewalt an diesen Mitarbeitern. Dieses Umfeld und der Umgang, der durch die Führungskultur weiter auf dich einwirken wird, erzeugen dann bei Dir negative Emotionen und die können zu schweren Krankheiten führen.

Das Unternehmen muss lernen, wie man mit Veränderungen umgeht und dieses in Ihrer Kultur verankert.

Damit Du Dir sicher wirst, was Du tun sollst, habe ich hier eine Frage mit den möglichen Antworten und Handlungen.

Also meine Frage an dich: Gehst Du montagmorgens gerne zu deinem Arbeitgeber?

Wenn Du mit Ja antwortest, dann suche das offene Gespräch mit deinem Vorgesetzten und arbeite daran, dass Du dem Unternehmen hilfst, eine neue Kultur aufzubauen.
Wenn deine Antwort Nein ist oder „Ich fühle mich sehr unwohl“, dann verlasse das Umfeld sofort und begebe Dich auf die Suche nach einem Unternehmen, welches Deinen Werten entspricht.

Nimm diese Erfahrungen und versuche dadurch deine Werte zu definieren, wie Du ein glückliches und zufriedenes Leben führen kannst.


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